Vom Start-Up-Gründer zum Senior Investment Manager

Wie wird man eigentlich Investment Manager beim TechVision Fonds? Das habe ich Björn Lang gefragt, der 2018 zu uns stieß. Vorher hat er selbst gegründet und war drei Jahre lang als CEO bei einem Aachener Start-up aktiv.

Erst selbstständig, dann angestellt – ist das nicht eine enorme Umstellung?

Björn: In meinem Fall nicht. Denn beim TechVision Fonds sind wir Mit-Unternehmer in ganz vielen Unternehmen, da die Aufgaben und die Verantwortung sehr groß sind. Ich knüpfe meine eigenen Kontakte zu Unternehmen, baue ein eigenes Portfolio auf, betreue Unternehmen auf der Geschäftsführerebene und bin immer mittendrin. Die größte Umstellung war, dass ich mich an mehr Sicherheit gewöhnen durfte. Und das ist ja etwas Positives.

Wie kam es zu dem Wechsel?

Björn: 2015 habe ich mit meinen Freunden und Kollegen physiosense gegründet. Wir haben einen Bürostuhl mit Sensoren und Auswertungsalgorithmen entwickelt, um das Sitzverhalten zu verbessern. 2017 habe ich beschlossen, dort auszusteigen – sowohl als Gesellschafter als auch als Geschäftsführer. Eigentlich wollte ich mich danach erst einmal neu orientieren. Doch eine ehemalige Kollegin hat mir erzählt, dass die S-UBG Gruppe für ihren VC-Bereich einen Investment Manager sucht. Dann habe ich mich dort beworben, konnte im Februar 2018 anfangen und bin mittlerweile Senior Investment Manager. Mein Vorgänger hat es übrigens genau umgekehrt gemacht: Er war zuerst Investment Manager und hat dann sein Unternehmen taxy.io gegründet.

Welche Aufgaben übernimmst du als Investment Manager?

Björn: Meine Arbeitstage sehen sehr unterschiedlich aus, denn ich habe ein sehr breites Aufgabenspektrum. Im Grunde genommen begleite ich den kompletten Lebenszyklus eines Start-Ups: Von der Suche nach potenziellen Deals, über das Kennenlernen, die Entwicklung des Finanzierungsmodells, Begleitung des Investitionsprozesses, bis hin zur Unterstützung dabei, das Unternehmen zu entwickeln und groß zu machen und irgendwann dabei zu helfen, Käufer zu finden. Außerdem kümmere ich mich um die IT-Infrastruktur bei uns im Unternehmen. Zurzeit ist unser Team auch viel damit beschäftigt, den Fonds weiterzuentwickeln, denn die VC-Welt ist sehr im Wandel und bedarf stetiger Anpassung.

Welche Vorteile hast du als ehemaliger Gründer in deinem jetzigen Job?

Björn: Zum einen denke ich, dass der Zugang zu Gründerinnen und Gründern für mich so wesentlich einfacher ist. Außerdem habe ich schon zu Beginn meiner Tätigkeit über ein sehr gutes regionales Netzwerk verfügt. Ich habe einen guten Draht zur Start-Up-Szene in der Region und wichtigen Institutionen wie RWTH Innovation und Gründerzentru, digitalHUB, Gründerregion, IHK, AGIT, Start-Up-Initiativen in Mönchengladbach und Heinsberg bis hin nach Köln und Düsseldorf. Normalerweise sind wir regelmäßig auf Events präsent, halten Vorträge und bieten Coachings an. Coronabedingt liegt das zurzeit alles ein wenig brach. Ich biete zum Beispiel eine regelmäßige Sprechstunde im digitalHUB Aachen an, jetzt natürlich virtuell. Netzwerken ist neben dem operativen Geschäft eine wichtige Komponente unseres Jobs.

Wie hat sich deine Arbeit seit der Corona-Krise verändert?

Björn: Sie ist anders geworden – ganz klar. Vorher habe ich viele Veranstaltungen besucht – das ist momentan nicht möglich. Wir haben daher versucht, über Online-Events oder Abfragen bei Institutionen neue Gründer kennenzulernen. Alles ist virtueller geworden. Als die erste Welle kam und wir alle strikt im Homeoffice waren, hatten wir bereits eine gute IT-Infrastruktur. Daher ist unsere „Büroarbeit“ fast normal weitergelaufen. In der Zeit haben wir auch all unsere Portfoliounternehmen weiter beraten und sie noch stärker untereinander vernetzt.

Was schätzt du an deinem Beruf?

Björn: Ganz klar die Vielseitigkeit, aber auch die Unabhängigkeit und Verantwortung. Ich lerne viele Leute kennen, woraus sich langjährige Geschäftsbeziehungen ergeben. Die Möglichkeit, die ein Unternehmen meines Portfolios stark mitzuprägen ist extrem spannend. Ein Lob geht an unsere Chefs: Wir bekommen viele Freiheiten, Dinge weiterzuentwickeln und moderner zu gestalten. Nichts muss so bleiben, wie es ist, nur weil wir es schon immer so gemacht haben. Wir versuchen also, elementare Arbeitsweisen von Start-Ups auch in unsere Philosophie zu integrieren.

Zur Person:

Björn Lang, 31, hat in Aachen und Seoul (Korea) Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Maschinenbau studiert. Seit 2018 ist er Investmentmanager bei der S-UBG AG, für den TechVision Fonds. Zuvor war er Gründer und CEO der physiosense GmbH.