Am 17. März 2020 setzte Roman Rüdiger seine Unterschrift unter den Vertrag, der das Investment des TechVision Fonds in sein Unternehmen talent::digital besiegelte. Eigentlich ein stinknormales Datum. Doch zu der Zeit befand Deutschland sich bereits mitten in der Corona-Krise und im Lockdown. Alles wurde von jetzt auf gleich heruntergefahren, wirtschaftliche Strukturen veränderten sich, die Zukunft war ungewiss. „Dass der TechVision Fonds in so einer unsicheren Zeit trotz alledem an unserem Vertrag festgehalten hat, das war für uns ein sehr großer Vertrauensbeweis und für uns alles andere als eine Selbstverständlichkeit“, blickt der Geschäftsführer zurück.

Die Idee kam „on the job“

Sozialpädagogik hat er studiert, als Sozialmanager und Social-Entrepreneur gearbeitet. Auch Ashoka Fellow darf sich der heute 54-Jährige nennen und gehört damit einem Netzwerk der weltweit erfolgreichsten Sozialunternehmer an. Schließlich verschlug es Roman Rüdiger in den Bereich Bildungsinnovation, wo er die „Pacemaker Initiative“ zur Digitalisierung von Schulen ins Leben rief. „Viele Unternehmen waren dazu bereit, dieses Projekt zu unterstützen, doch gaben im zweiten Satz zu, dass sie selbst einen riesengroßen Aufwand in puncto Digitalisierung haben. Das war 2017“, so Roman Rüdiger. Schnell wurde ihm klar, dass es in Deutschland kein Instrument gab, mit dem sich digitale Kompetenzen messen ließen, um sie anschließend zielgerichtet zu steuern. Und das mitten im digitalen Zeitalter. Im Herbst 2018 gründete er „talent::digital“.

Weltweit einzigartig

Wie lassen sich digitale Kompetenzen von Mitarbeitern in Unternehmen und Organisationen überhaupt messen? Wie kann man sie steigern? Diese Fragen beschäftigen Roman Rüdiger seitdem ununterbrochen. So entstand die Plattform „talent::profil“, mit der sich die individuellen digitalen Kompetenzen von Menschen valide und ganz ohne Selbsteinschätzung messen, analysieren und steigern lassen. Die Plattform wurde auf der Grundlage des Digital Competence Framework „DigComp 2.1“ der Europäischen Union umgesetzt. Mithilfe eines wissenschaftlichen Partners ist es dem Düsseldorfer Unternehmen anschließend gelungen, einen Test als Transformation Game zu entwickeln. „Wir messen 21 digitale Kompetenzen im Handlungsprozess. Das ist völlig neu, so etwas gibt es unseres Wissens weltweit noch nicht“, erklärt der Digitalexperte.

Aus eins mach zwei

Anhand der Ergebnisse lässt sich schließlich eine individuelle Stärken-Schwächen-Analyse durchführen – sowohl für Unternehmensteile als auch für bestimmte Personengruppen im Unternehmen. „So helfen wir Unternehmen oder Organisationen massiv dabei, ihre digitale Strategie umzusetzen, vor allem bei der Planung von Fortbildungen“, so Roman Rüdiger. Mittlerweile hat talent::digital auch ein zweites Produkt entwickelt, das zum Beispiel Jobcentern dabei helfen soll, die digitalen Kompetenzen von Arbeitssuchenden herauszufinden. Beide Lösungen sind sehr gefragt und kommen bei Unternehmen aus verschiedenen Branchen, Wohlfahrtsverbänden und Verwaltungsorganisationen zum Einsatz.

Liebe auf den ersten Blick

Beinahe als „Liebe auf den ersten Blick“ bezeichnet Roman Rüdiger seine erste Begegnung mit dem TechVision Fonds. Er war auf der Suche nach einem passenden Investment Partner für sein Unternehmen. Profil und Auftritt des Aachener Unternehmens haben ihm am besten gefallen. Er meldete sich initiativ beim TechVision Fonds, schickte seinen Pitch Deck dorthin und fragte kurze Zeit später telefonisch nach, ob Interesse besteht. „Wir haben dann eine Präsentation in Aachen vereinbart, bei der wir unseren Ansatz vorgestellt haben. Dann gab es eine erste Vorprüfung sowie einen weiteren Pitch mit dem ganzen Team. Schließlich sind wir in die Seed-Finanzierung übergegangen“, erzählt Roman Rüdiger. Nicht nur die technische Ausrichtung des TechVision Fonds habe ihn überzeugt, sondern auch die enorme Erfahrung, das riesengroße Netzwerk und die große Nähe zur RWTH mit seinem Exzellenzcluster im Tech-Bereich. „Am wichtigsten war uns allerdings: Die Mitarbeiter vom TechVision Fonds haben uns total überzeugt, die Menschen dahinter. Denn eine Investment-Partnerschaft ist ja wie eine Ehe. Im besten Fall bleibt man lange zusammen.“